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Centrum-Galerie

Angeregt durch den Bericht von Miss Blümchen, suchte ich vergangene Woche endlich einmal die neue Centrum-Galerie auf. Teils war ich beeindruckt von der Architektur und bestimmten Perspektiven, teils erregte es mir Schwindel, wie viel Geld für immer neue Konsumtempel ausgegeben wird.

Ein Laden, den ich ganz bestimmt wieder einmal aufsuchen werde, ist das Bastelgeschäft (auch wenn ich bei dessen Schreibweise eher an Creutzfeld-Jakob’sche Verrücktheiten denke, als an schöpferische Kreativität): hier finde ich endlich einmal all die Kleinigkeiten, Haken und Ösen, die der Eisen-Feustel für Klientel wie mich nicht bereithält.

In einem Herrenausstatter für den, sagen wir, metrosexuellen Mann hielten die Umkleidekabinen eine besondere Überraschung bereit. Was zunächst wie harmlose Pin-Ups der 50er Jahre aussah, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als Hardcore-Galerie – zensiert mit den guten, alten Pornobalken, die ich seit den zweifelhaften Segnungen von PhotoShop ja durchaus goutiere.

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Obwohl die Darstellungen (Klick vergrößert, NSFW) diverser freizügiger Posen und Handlungen durch Verfremdungstechniken von mir eher als künstlerisch denn als pornographisch wahrgenommen wurden, blieb ein merkwürdiges Gefühl zurück, das der Spruch „Kontext, Baby“ ganz gut auf den Punkt bringt. Denn außer mir (ich begleitete einen Freund) bestand die Kundschaft während unseres Einkaufs vornehmlich aus jüngeren Männern Anfang Zwanzig, bei denen ich Zweifel habe, ob sie die Ironie, die durch Collage und Verfremdungstechniken zustande kommt, überhaupt entschlüsseln können. Oder ob hier nicht doch ein Bild von Frauen als allzeit willigen, immerzu verfügbaren Sexualobjekten zementiert wird.

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Nun sind sie weg. Acht Monate lang war man sich begegnet, Fremde zunächst, die einander neugierig in Augenschein nahmen, wenn die beiden gegenüberliegenden Türen sich zufällig gleichzeitig öffneten. Was man sah, war sympathisch, es gab spontane Einladungen auf eine Tasse Kaffee, es gab gegenseitige Hilfestellungen, ein Ei, Puddingpulver, Schraubendreher. Und weil man spürte, daß man sich mochte, ließ man sich Zeit mit dem Freunde werden – was sollte schon passieren? Man würde einander schon nicht verlustig gehen, denn: wir waren ja Nachbarn.

Nun sind sie weg, vor ein paar Tagen haben sie die Stadt verlassen, das Land, den Kontinent sogar. Sind auf der anderen Hälfte der Erdkugel gelandet, wo es warm ist, man sich mit „G’day“ begrüßt und internationale Karrieren ihren Ausgang am Strand nehmen.

Ich habe keine Anschrift von ihnen, aber ich habe etwas viel besseres: eine Menge schöner Bilder, die meine Nachbarin als eine Art Fries über dem Fliesenspiegel in ihrer Küche aufgehangen hatte. Da die junge Familie jedoch mit leichtem Gepäck reisen mußte, bleiben die Kalenderblätter hier. Ich werde sie wieder aufhängen, die alten und die neuen. Und ich werde sie aufheben, bis das Bübchen groß genug ist, jenen Kalender anzusehen, den seine Mutter ihm gekauft hatte, damals, 2009, als er noch ein Baby war. Somit ist der Kalender auch das Unterpfand eines Wiedersehens.

Die Bilder stammen alle aus dem Spooky-Kalender des Gestalten-Verlags. In der Nacht leuchten sie.

„Twenty-six new ghouls, ghosts and fiends have sprung from the wild imaginations of designers from around the world to inhabit our Spooky Calendar for 2009. Misleadingly sweet by day, these spirits are transformed by glow-in-the-dark elements at night that reveal their scary side. Every two weeks a new large-format page will send delightful shivers down the spines of children of all ages.“

Es gibt auch eine Ausgabe des Kalenders für 2010. Allemal ein schönes Weihnachtsgeschenk!

Und, liebe Theresa, lieber Sebastian, wir werden Euch vermissen! Falls Ihr das lest, laßt mal hören, wie es Euch ergeht!

Im heutigen Teil der Reihe gibt es, anders als bisher, keinen historischen Abriß, sondern die Nachempfindung eines zarten, hellen Outfits, welches eine Tanguera am Dienstag in der Tangobar trug und damit ungemein vorteilhaft aus der dunkel wogenden Menge herausstach. Ich hätte ihr gerne ein Kompliment gemacht, fand aber nicht die rechte Gelegenheit dazu. Manchmal muß man eben nur das Gegenteil von dem tun, was die Mehrheit tut, um ganz besonders zu wirken.

Dieser orientalisch anmutende Look aus einer Hose, die mit einer Tunika kombiniert wird, basiert auf dem traditionellen Gewand des Salwar Kamiz und ist meinen Beobachtungen nach vor allem unter alternativ angehauchten Tangueras ungemein populär. Ob leger in Kombination mit einer Jeans, oder elegant mit weißen Hosen – die Stylingvarianten sind unendlich vielseitig.

Evoluzione del Tango by TangOblivion

»Evoluzione del Tango«, Ausschnitt aus einem Plakat von TangOblivion

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wie viele Dresdner Tango-Begeisterte dieses Blog verfolgen. (WordPress.com erlaubt kein Google Analytics; daher kann ich meine Leserschaft weder geographisch noch sonstwie durchleuchten.) Dennoch möchte ich auf eine Veranstaltung hinweisen, die mich interessiert hätte. Da ich nun aber ein paar Tage lang wegfahre, verpasse ich sie. Schade.

Also:

Videoabend am Samstag 7. November 2009, 20:00 Uhr
PENTACON, Schandauer Str. 64, Saal B
mit der Dokumentation:

Genese des Tango Argentino. Eine Film-Zusammenstellung der Tango-Werkstatt Berlin

www.tango-werkstatt.de

Es wird um pünktliches Erscheinen zu Beginn der Veranstaltung gebeten.
Nach dem Film gibt es eine Milonga, bei der im Hintergrund weitere Bilder aus Buenos Aires gezeigt werden.

Viel Spaß – falls jemand hingeht, würde ich mich über einen kurzen Bericht freuen!

Guy Fawkes im Film

In Großbritannien feiert man heute Bonfire Night und gedenkt damit der gescheiterten Schießpulververschwörung. Stockbrot und Glühwein an Feuern im Freien, so erinnere ich mich der Sache zu meiner Au-Pair-Zeit.

Das Thema ist oft verfilmt; z. B. bildet es auch den Hintergrund für Alan Moores Meisterwerk V for Vendetta, das leider ärgerlich platt verfilmt wurde. Stattdessen empfehle ich die erstklassige BBC-Verfilmung Gunpowder, Treason & Plot. Geschichtsstunde mit tollen Schauspielern. Großartig der hitzige Dialog ab 1:46!

Historisch akkurat und dennoch locker bereitet die BBC-Dokumentation The Gunpowder Plot das Thema auf. Alle sechs Teile kann man sich hier ansehen.

In eigener Sache: Morgen geht Elbnymphe ein paar Tage auf Reisen und offline. Vielleicht schaffe ich es, noch einen Artikel meiner Freitagsserie „La Guardarropa della Tanguera“ vorzubereiten; falls nicht, hole ich es nächste Woche nach.

Yanick Déry, aus: »Le Camp des Sept«

Yanick Déry, aus: »Le Camp des Sept«

[via]

Wer sich in der Dresdner Tangoszene auskennt, dem dürfte es beim Stichwort „Amoratado“ nicht schwer gefallen sein zu erraten, wohin mich neulich Abend meine Schritte führen würden.

Ein Raum mit einem rauhen, grob verfugten Sandsteinboden. Mächtige Metallsäulen, die die Blickachsen verstellen. Am Saal kann es also nicht liegen – und doch ist das Foyer des Societaetstheaters eine beliebte Adresse im Dresdner Tangoleben. Denn hier geben sich an jedem ersten Dienstag im Monat zwei Meister die Ehre, das Duo Tango Amoratado. Seit nunmehr vier Jahren sorgen Jürgen Karthe (Bandoneon) und Fabian Klentzke (Klavier) zur sogenannten Tangobar für schöne Stimmung, und das bei freiem Eintritt (das Theaterrestaurant L’Art de Vie übernimmt das Sponsoring).

Nun ist eine Milonga ja keine Mutprobe, weshalb also hatte ich mir Courage und Glück erhofft? Nach -zig Anläufen, zu denen ich immer wieder eine Ausrede fand, war es einfach an der Zeit, einmal ohne Netz und doppelten Boden (sprich Tanzpartner und –Clique) tanzen zu gehen.

Während ich mich daran machte, meine Schuhe zu wechseln, hatte ich die aberwitzige Anwandlung, aufs Ganze zu gehen: Ich würde meine altgedienten Wohlfühl-Treterchen (die inzwischen so eingetanzt sind, daß man nur noch die 5,5-cm-Absätze absägen müßte, und sie würden als Birkenstocks durchgehen) gegen die 8-cm-Wunderwaffen eintauschen, die ich vom Herrn Papa zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Was man über Sporen sagt, gilt erst recht für Absätze: man muß sie sich verdienen!

Froh über vertraute Gesichter, gesellte ich mich anfangs zu einem Paar aus dem Tanzkurs. Doch bald entschwanden sie Richtung Tanzfläche, und nun saß ich wirklich alleine da. Für einen kurzen Moment befiel mich die Angst, sowohl für all die in Begleitung erschienenen Männer „unsichtbar“ zu sein, als auch verzweifelt zu wirken, wenn ich jetzt Blickkontakt suchen würde, um aufgefordert zu werden. Mich, die sonst jedem Menschen neugierig und unverblümt ins Gesicht lächelt, befiel Schüchternheit! Ratlos beschloß ich, erst einmal den Paaren auf der Tanzfläche zuzusehen: vielleicht würde etwas von ihrem Vergnügen auf mich abfärben. Noch während ich darüber nachsann, nahm ich aus den Augenwinkeln eine Gestalt war, die sich mir näherte.

Vor mir stand ein Mann, der mir schon öfter als sehr, sehr guter Tänzer aufgefallen war. Kein Showmaster, kein Kunstturner, einfach nur einer, der seine Tangueras souverän über die Tanzfläche geleitet. Mit dem den ersten Tanz des Abends? Hilfe! Mama! Doch für Flucht war es zu spät.

Unser erster Tanz ist zäh. Ich bin aufgeregt, störe mich an dem fremden Körper in nächster Nähe. Mein Gehirn schaltet auf Tier-Modus um: Duft-Atome sondieren, in Schreckstarre verfallen. Der raue Boden scheint jegliches Momentum zu verschlucken; bei Dreh-Impulsen fühlen sich meine Füße an wie einbetoniert. Weiterlesen »

Eben diese Clip mit einer Mischung aus Vergnügen und Ungläubigkeit angesehen.

Allein der Satz „Fleece should be on sheep!“ ist es wert.

Schlußfolgerung:

  1. Möchte mal einen Tag Joan Collins sein und allen in der Straßenbahn und im Elbepark erzählen, wie scheiße sie gestylt sind: „Darling, Du bist ein Fashion-Problem!“.
  2. Möchte nie Joan Collins begegnen, wenn ich mal kurz zum Netto/Späti/Baumarkt muß.

PS Elbnymphe’s morning routine also takes a little longer than five minutes! :-)

 

Seit Veröffentlichung ihrer ersten Solo-CD bezeichne ich mich unumwunden als Björk-Fan (leider gehörte ich nie zu den ganz Coolen, die auch schon die Sugarcubes hörten, als es sie noch gab). Unter Björks Projekten gibt es fast nichts, das ich nicht mag, und ihre musikalische Entwicklung, die sich von Projekt zu Projekt in größerer Experimentierfreude und Kompromißlosigkeit ausdrückte, hat mich immer wieder zu begeistern gewußt.

Von Anfang an verstand es Björk (ähnlich wie Madonna), angesagte Leute zu Kooperationen einzuladen, so daß z.B. ihre Remixe (Stichwort: Martin Kretschmann, Tricky, Goldie) und Videoclips (Michel Gondry, Spike Jonze) immer Cutting Edge waren. Und spätestens seit sie mit Matthew Barney liiert ist, dem Mann, dessen The-Cremaster-Cycle-Bildwelten sich mir nach dem ersten Ansehen einer Matinee im Metropolis (thank you, Waldo, for making me go!) für immer unauslöschlich ins Gedächtnis eingegraben haben, seitdem ist Björk neben dem musikalischen auch in den ästhetischen Olymp aufgestiegen.

Ich glaube, überhaupt die eindrucksvollste Bühnenshow, die ich je das Glück zu erleben hatte, war Björks Auftritt 2003 in der Arena di Verona. Ein Feuerwerk der Imagination, mit Pyrotechnik, magischen Lichtprojektionen und skurillen Kostümen. und ihrem Gesang, dieser Mischung aus Zartheit und Selbstverausgabung.

Dennoch ist es keiner ihrer komplexen, hochartifiziellen Videoclips, den ich heute vorstellen möchte. Stattdessen fiel meine Wahl auf zwei Live-Aufnahmen, die aus der Flut auf YouTube herausstachen. Sie stellen eindrucksvoll sowohl Björks Können als Live-Performerin wie auch ihre Wandlungsfähigkeit in der Interpretation des eigenen Liedgutes unter Beweis.

Der Titel „Come to Me“ war auf der Debut (1993) mein Lieblingstitel.

Hier zunächst noch ganz symphonisch-schwelgend 1999 im Nationaltheater von Reykjavík. Andere mögen das für durchgeknallt halten, aber ich finde ihre Gewandung und Selbstinszenierung als magisch. Wenn sie dann noch selbstvergessen wie eine Elfe herumhopst, ist es um mich geschehen. (So möchte ich mal sein, ohne mich lächerlich zu machen, aber dazu habe ich die falschen Gene erwischt, sorry Mom & Dad, no offence. ) Weiterlesen »

Otoño Amoratado

Yanick Déry, aus »Le Camp des Sept«

Yanick Déry, aus »Le Camp des Sept«

[via]

Heute Abend ist es soweit: Elbnymphe wagt ein Experiment.

Wohin mich meine Schritte führen, durch die Nacht, über Laub und regennasses Pflaster, werde ich berichten. Vorab nur soviel: ich bin ein wenig aufgeregt. Wünscht mir Mut, wünscht mir Glück! Mehr an dieser Stelle in nicht allzu vielen Stunden …

Update:Wie es weitergeht, steht hier

Ob es schmeckte, was Pablo Veron, Tanguero extraordinaire, da aus dem Ärmel bzw. den Beinen geschüttelt hat?

(Mit liebem Gruß an den Chorknaben, der mich neuerdings einmal pro Woche bekocht.)

Es hat mich überrascht, daß auf YouTube etliche Videos zum Thema „Tango & Stepptanz“ zu finden sind. Leider zeigt die Mehrzahl einfach nur klassische Stepp-Choreographien in Tangokostümen zu Tangoklängen, ohne daß eine wirkliche Synthese der beiden Genres versucht worden oder gelungen wäre.

Anders die folgende Aufnahme. Nach einer fulminanten Eröffnung, die die Zuschauer zunächst im Unklaren beläßt, ob es sich um Tango oder Stepptanz handelt, entspinnt sich schnell ein rasantes Spiel der Beine, der abwechselnd legeren und ostentativen Bewegungen. Eine gelungene Symbiose, die Elemente beider Tänze integriert, ohne je einen zur Staffage zu degradieren.

Möge alles, was Ihr Euch für diese Woche vornehmt, von der Leichtigkeit des Tap Dance und der Leidenschaft des Tangos bestimmt sein!

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