Für Sachsen und sein Elbflorenz ist dieser Rauswurf, sosehr man ihn auch aus gesamtdeutscher Sicht bedauern muss, die logische Konsequenz einer schrankenlosen Selbstverliebtheit. Denn aus dem geschundenen Dresden, das seine mit finanzieller Hilfe aus dem In- und Ausland bewerkstelligte Auferstehung als Wunder des Barock einer deutschen und internationalen Sühneleistung verdankt, wurde nach und nach eine verhätschelte, selbstbezogene und selbstzufriedene Stadt, die Anspruch auf absolute Autonomie zu haben meinte. So bedeutet die Streichung des Elbtals von der Welterbeliste ein schmerzhaftes, vielleicht aber auch lehrreiches Erwachen für Dresden.
[via FAZ]
Deutschland zieht nun mit Oman gleich. In Dresden geht es zwar nicht um Öl und Geld, dafür aber um Wählerstimmen und um die Demonstration von Macht – und wohl auch um vorzeitig vergebene Bauaufträge. […]
Von allen Aussichtspunkten am Hochufer über den Weinbergen, aber auch von den Spazierwegen unten am Ufer aus wird man die vierspurige Brücke – sie überquert das Tal ungefähr im Scheitel der Kurve – als extreme Störung, als auslöschenden Querstrich in der Landschaft erleben. Und von überall wird man mitansehen und mitanhören müssen, wie das Tunnelmaul oben am Hang massenhaft PKWs und LKWs ausspuckt, die laut über die grobschlächtige Brücke fahren und am anderen Ende auf den Auwiesen beim Einfädeln ihre umständlichen Schleifen ziehen.
Schmerzlicher und heimtückischer als die reale Wunde in der Landschaft wird aber der geistige, um nicht zu sagen: der moralische Schaden sein, den Sachsen als Kulturstandort und Deutschland als Musterland des Natur- und Denkmalschutzes durch diese berechtigte Rüge aus der Völkergemeinschaft erleiden werden.
[via SüZ]

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